A B C D E F G H I J K L M P R S T V W

Cannabis-Glossar: Alle Begriffe von A bis Z

Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe rund um Cannabis – von Cannabinoiden und Terpenen über rechtliche Grundlagen bis hin zu Konsumformen und medizinischen Anwendungen. Sachlich, verständlich und medizinisch fundiert aufbereitet für Einsteiger und Fortgeschrittene.

A

2-AG (2-Arachidonoylglycerol)

2-AG ist neben Anandamid einer der wichtigsten endogenen Cannabinoide im menschlichen Körper und ein vollständiger Agonist sowohl am CB1- als auch am CB2-Rezeptor. Es wird bei Bedarf aus Membranlipiden synthetisiert und spielt eine zentrale Rolle bei der Modulation von Schmerz, Entzündung und Immunfunktion. Seine Konzentration im Gehirn ist deutlich höher als die von Anandamid.

Abhängigkeit

Regelmäßiger Cannabiskonsum kann bei einem Teil der Nutzer zu einer psychischen Abhängigkeit führen, die sich durch Kontrollverlust, Verlangen nach der Substanz und Vernachlässigung anderer Lebensbereiche äußert. Eine körperliche Abhängigkeit mit ausgeprägten Entzugserscheinungen ist möglich, gilt aber im Vergleich zu Alkohol oder Opiaten als weniger stark ausgeprägt. Das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung steigt bei frühem Einstiegsalter und täglichem Konsum deutlich an.

Anandamid (AEA)

Anandamid (N-Arachidonoylethanolamin) ist ein endogenes Cannabinoid, das vom Körper selbst produziert wird und bevorzugt an CB1-Rezeptoren bindet. Der Name leitet sich vom Sanskrit-Wort „Ananda“ (Glückseligkeit) ab und spiegelt seine stimmungsaufhellende Wirkung wider. Anandamid ist an der Regulierung von Stimmung, Schmerzempfinden, Appetit und Gedächtnisbildung beteiligt.

Autoflower

Autoflowering-Cannabispflanzen blühen unabhängig vom Lichtrhythmus automatisch nach einer bestimmten Wachstumsphase, typischerweise nach drei bis vier Wochen. Diese Eigenschaft stammt von der Unterart Cannabis ruderalis und wurde durch Züchtung in moderne Sorten eingekreuzt. Autoflower-Sorten eignen sich besonders für den Eigenanbau, da sie schneller erntebereit sind und weniger komplexe Lichtsteuerung benötigen.

B

Betäubungsmittelgesetz (BtMG)

Das Betäubungsmittelgesetz ist das zentrale deutsche Bundesgesetz zur Kontrolle von Betäubungsmitteln, einschließlich Cannabis. Seit der Teillegalisierung durch das Cannabisgesetz (CanG) im April 2024 ist Cannabis für Erwachsene unter bestimmten Bedingungen nicht mehr vollständig dem BtMG unterstellt, bleibt aber im Bereich des medizinischen Cannabis nach wie vor relevant. Das BtMG regelt Herstellung, Handel, Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln und sieht bei Verstößen empfindliche Strafen vor.

BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

Das BfArM ist die deutsche Bundesoberbehörde, die unter anderem für die Zulassung von Arzneimitteln und die Kontrolle von Betäubungsmitteln zuständig ist. Bis zur Legalisierung verwaltete das BfArM die staatliche Cannabis-Agentur, die den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland kontrollierte und lizenzierte. Auch nach der Cannabisreform bleibt das BfArM für medizinisches Cannabis und verschreibungspflichtige Cannabinoide zuständig.

Blüte

Als Blüte oder Blütenstand bezeichnet man den weiblichen Teil der Cannabispflanze, der die höchste Konzentration an Cannabinoiden und Terpenen enthält. Die Blüten sind dicht mit klebrigen Trichomen bedeckt, die das Harz mit seinen Wirkstoffen produzieren. Im Kontext von medizinischem Cannabis und dem Freizeit-Konsum sind getrocknete und aufbereitete Blüten die am häufigsten verwendete Konsumform.

Bong

Eine Bong ist ein Wasserpfeifengerät, das beim Rauchen von Cannabis den Rauch durch Wasser filtert und kühlt, bevor er inhaliert wird. Durch die Wasserfiltration werden ein Teil der Schwebstoffe und des Teers herausgefiltert, was den Rauch für den Atemweg weniger reizend macht. Trotz der Kühlung enthält der Rauch einer Bong weiterhin Verbrennungsprodukte, die die Lunge belasten können.

Breitspektrum (Broad Spectrum)

Breitspektrum-Cannabisextrakte enthalten neben CBD eine Vielzahl anderer Cannabinoide und Terpene der Pflanze, wurden jedoch um THC reduziert oder vollständig von THC befreit. Diese Extraktionsform soll den Entourage-Effekt nutzbar machen, ohne dass Konsumenten mit THC in Kontakt kommen. Breitspektrum-Produkte sind besonders für Personen geeignet, die THC aus medizinischen, beruflichen oder rechtlichen Gründen vermeiden müssen.

C

CanG (Cannabisgesetz)

Das Cannabisgesetz (CanG) trat in Deutschland am 1. April 2024 in Kraft und legalisierte den Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis für Erwachsene über 18 Jahre im öffentlichen Raum sowie den privaten Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen. Gleichzeitig wurden strikte Schutzmaßnahmen für Minderjährige und Regelungen für Cannabis Social Clubs eingeführt. Das CanG markiert eine historische Wende in der deutschen Drogenpolitik.

Cannabinoide

Cannabinoide sind eine Gruppe chemischer Verbindungen, die an Cannabinoidrezeptoren im Körper binden und vielfältige physiologische Wirkungen auslösen. Man unterscheidet Phytocannabinoide (aus der Pflanze), Endocannabinoide (vom Körper selbst produziert) und synthetische Cannabinoide. Bislang wurden in der Cannabispflanze über 100 verschiedene Cannabinoide identifiziert, von denen THC und CBD die bekanntesten sind.

Cannabisblüten

Cannabisblüten sind die getrockneten, weiblichen Blütenstände der Cannabispflanze und stellen die am weitesten verbreitete Konsumform dar. Sie werden als Grundlage für Joints, Bongs, Vaporizer und Extrakte verwendet und enthalten das vollständige Wirkstoffprofil der jeweiligen Sorte. Im medizinischen Bereich werden standardisierte Cannabisblüten als Rezepturarzneimittel in der Apotheke abgegeben.

Cannabisöl

Cannabisöl ist ein Oberbegriff für Öle, die Extrakte der Cannabispflanze enthalten und in einem Trägeröl wie Olivenöl oder MCT-Öl gelöst sind. Je nach Herstellung können diese Öle THC, CBD oder ein breites Spektrum an Cannabinoiden enthalten. Im medizinischen Kontext werden standardisierte Cannabisöle mit definiertem THC- und CBD-Gehalt ärztlich verschrieben.

Cannabispflanze

Die Cannabispflanze (Cannabis sativa L.) ist eine einjährige Blütenpflanze aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und wird seit Jahrtausenden für medizinische, textile und rituelle Zwecke genutzt. Sie produziert in ihren Drüsenhaaren (Trichomen) ein Harz, das die charakteristischen Cannabinoide und Terpene enthält. Botanisch unterscheidet man die Unterarten Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis.

Caryophyllen (β-Caryophyllen)

β-Caryophyllen ist ein sesquiterpenisches Terpen, das in vielen Cannabissorten in hoher Konzentration vorkommt und für einen würzigen, pfeffrigen Geruch verantwortlich ist. Es ist das einzige bekannte Terpen, das gleichzeitig als Ligand am CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems wirkt und somit direkte cannabimimetische Eigenschaften besitzt. Studien deuten auf entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen hin.

CB1-Rezeptor

Der CB1-Rezeptor (Cannabinoid-Rezeptor Typ 1) ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor, der vorwiegend im Gehirn und im zentralen Nervensystem vorkommt, besonders in Bereichen für Gedächtnis, Bewegungssteuerung und Schmerzverarbeitung. THC bindet hauptsächlich an diesen Rezeptor und erzeugt so die typische psychoaktive Wirkung. CB1-Rezeptoren finden sich auch in peripheren Geweben wie Leber, Fettgewebe und dem Verdauungstrakt.

CB2-Rezeptor

Der CB2-Rezeptor (Cannabinoid-Rezeptor Typ 2) ist überwiegend im Immunsystem und in peripheren Geweben lokalisiert, kommt aber auch in geringerer Dichte im zentralen Nervensystem vor. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Modulation von Entzündungsreaktionen und ist ein wichtiges therapeutisches Ziel für die Behandlung von Schmerzerkrankungen und Autoimmunerkrankungen. CBD und β-Caryophyllen zählen zu den bekanntesten Substanzen, die am CB2-Rezeptor wirken.

CBC (Cannabichomen)

Cannabichomen (CBC) ist ein nicht-psychoaktives Phytocannabinoid, das in der Cannabispflanze in vergleichsweise geringen Mengen vorkommt. Es interagiert mit dem Endocannabinoid-System, vorwiegend über TRPV1- und TRPA1-Rezeptoren, und zeigt in Laborstudien entzündungshemmende, antidepressive und neuroprotektive Eigenschaften. CBC gilt als potenziell wertvoller Bestandteil des Entourage-Effekts.

CBD (Cannabidiol)

Cannabidiol (CBD) ist das am zweithäufigsten vorkommende Cannabinoid in der Cannabispflanze und wirkt im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv berauschend. Es beeinflusst das Endocannabinoid-System auf indirekte Weise und zeigt in klinischen Studien entzündungshemmende, angstlösende, antiepileptische und neuroprotektive Eigenschaften. Das CBD-haltige Medikament Epidiolex ist in Deutschland zur Behandlung bestimmter schwerer Epilepsieformen zugelassen.

CBD-Öl

CBD-Öl ist ein in Trägeröl gelöstes Cannabidiol-Extrakt und eines der meistgekauften Nahrungsergänzungsmittel bzw. Wellnessprodukte im deutschsprachigen Raum. Die Herstellung erfolgt meist aus Hanfpflanzen mit einem THC-Gehalt unter 0,3 % und anschließender Extraktion des CBD-reichen Harzes. CBD-Öle sind in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel im Handel erhältlich, sofern ihr THC-Gehalt den gesetzlichen Grenzwert nicht überschreitet.

CBDA (Cannabidiolsäure)

CBDA ist die saure Vorstufe von CBD und kommt in der lebenden, rohen Cannabispflanze als primäre Form des Cannabidiols vor. Durch Erhitzung (Decarboxylierung) wird CBDA in das aktive CBD umgewandelt. Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass CBDA selbst entzündungshemmende und antiemetische (übelkeitshemmende) Eigenschaften besitzt.

CBDV (Cannabidivarin)

Cannabidivarin (CBDV) ist ein nicht-psychoaktives Phytocannabinoid, das strukturell eng mit CBD verwandt ist und in Cannabissorten mit hohem CBD-Gehalt vorkommt. Es wird intensiv auf sein Potenzial zur Behandlung von Epilepsie, Autismus-Spektrum-Störungen und Übelkeit erforscht. GW Pharmaceuticals hat ein CBDV-basiertes Präparat in klinischen Studien der Phase II untersucht.

CBG (Cannabigerol)

Cannabigerol (CBG) gilt als „Stammzelle“ der Cannabinoide, da CBGA (die saure Form) die biogenetische Vorstufe für THC, CBD und CBC ist. CBG selbst ist nicht psychoaktiv und kommt in den meisten Cannabissorten nur in geringen Mengen vor, weshalb CBG-reiche Sorten speziell gezüchtet werden. Vorläufige Forschungsergebnisse deuten auf antibakterielle, neuroprotektive und entzündungshemmende Eigenschaften hin.

CBN (Cannabinol)

Cannabinol (CBN) entsteht durch den oxidativen Abbau von THC bei Lagerung und Lichteinwirkung und ist damit ein Abbauprodukt, das in älterem oder schlecht gelagertem Cannabis in höherer Konzentration vorkommt. CBN ist leicht psychoaktiv, aber deutlich schwächer als THC, und wird in der Volksmedizin vor allem für seine potenziell schlaffördernden Eigenschaften bekannt. Wissenschaftliche Belege für diese Wirkung sind bisher begrenzt.

CSC (Cannabis Social Club)

Cannabis Social Clubs (CSC) sind nicht-kommerzielle Vereinigungen, in denen Mitglieder gemeinschaftlich Cannabis für den Eigenbedarf anbauen und untereinander abgeben. In Deutschland wurden CSC durch das Cannabisgesetz 2024 im Rahmen eines zweiten Teils der Reform grundsätzlich ermöglicht, unterliegen aber strengen Auflagen bezüglich Mitgliederzahl, Abgabemengen und Jugendschutz. Der Betrieb eines CSC erfordert eine behördliche Genehmigung.

D

Decarboxylierung

Decarboxylierung ist ein chemischer Prozess, bei dem durch Wärmeeinwirkung eine Carboxylgruppe (–COOH) von einem Cannabinoid abgespalten wird und dabei CO₂ freigesetzt wird. Dieser Vorgang wandelt inaktive Säureformen wie THCA in das aktive THC und CBDA in CBD um und ist Voraussetzung für die psychoaktive und pharmakologische Wirksamkeit beim Konsum. Beim Rauchen oder Verdampfen erfolgt die Decarboxylierung automatisch durch die Hitze.